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Moderne Epilepsie-Behandlung

Wann muss eine Epilepsie behandelt werden? 

Treten zwei oder mehr epileptische Anfälle auf, so wird eine Behandlung mit speziellen Arzneimitteln, sogenannten Antiepileptika, empfohlen. Mithilfe dieser Medikamente soll weiteren Anfällen vorgebeugt werden. Wird die medikamentöse Therapie nicht durchgeführt, besteht die Gefahr, dass die Anfälle in Zukunft noch häufiger auftreten.

Behandlungsziele 

Anfallsfreiheit ist das primäre Ziel der Epilepsiebehandlung. Diese ist mit modernen Behandlungsmethoden in Abhängigkeit von den Epilepsiesyndromen bei bis zu 80% der Patienten realisierbar. Kann dieses Ziel nicht erreicht werden, wird eine Senkung der Anfallshäufigkeit und eine Verminderung der Anfallsstärke angestrebt. Diese Behandlungsziele sollen möglichst ohne beeinträchtigende Nebenwirkungen erreicht werden.

Behandlungsmethoden 

Neben der Beratung zur Vermeidung von Auslösern der Anfälle werden fast immer Arzneimittel eingesetzt. Deren Wirkung konnte in den letzten Jahren durch die Entwicklung neuer Medikamente entscheidend verbessert werden. Kann jedoch mit Medikamenten keine befriedigende Anfallskontrolle erzielt werden, wird für den Patienten ein operativer Eingriff in Erwägung gezogen. Dabei wird die Hirnregion, von der die Anfälle ausgehen, entfernt. Eine weitere Möglichkeit ist die Vagus-Nerv-Stimulation. Diese wird durchgeführt, wenn weder durch eine medikamentöse Therapie, noch durch eine Operation eine befriedigende Anfallskontrolle erzielt wird, oder eine Operation aufgrund der Epilepsieform nicht möglich ist.

Die medikamentöse Therapie 

Zur Behandlung oder Unterdrückung von epileptischen Anfällen werden sogenannte Antiepileptika (auch Antikonvulsiva genannt) eingesetzt. Diese Arzneimittel setzen dort an, wo die Anfälle entstehen: im zentralen Nervensystem (ZNS). Antiepileptika hemmen im ZNS die Erregbarkeit der Nervenzellen oder unterdrücken die Erregungsleitung. Nicht jedes Medikament ist für jede Epilepsie geeignet. Daher muss jede medikamentöse Therapie vom Arzt individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

Monotherapie/Kombinationstherapie 

Zunächst erfolgt die Behandlung mit nur einem Antiepileptikum. In diesem Fall hat der Arzt die beste Übersicht über Wirksamkeit und Nebenwirkungen des Arzneimittels. Führt das erstgewählte Antiepileptikum nicht zu einer Besserung der Anfallsituation, auch dann nicht, wenn die höchst mögliche Dosis ohne beeinträchtigende Nebenwirkungen erreicht ist, wird das nächste Antiepileptikum eingesetzt. Dieses wird zunächst zusätzlich zum ersten gegeben, bevor dann das erste Präparat langsam abgesetzt wird. Mit einer Kombinationsbehandlung zweier Medikamente kann die Therapie der Epilepsie in einigen Fällen erfolgreich bis zur Anfallsfreiheit geführt werden. Ein gesichertes Wissen über die Ergänzung von Wirkmechanismen gibt es aber noch nicht.

Erweiterte Therapiemöglichkeiten mit neuen Antiepileptika 

Es gibt verschiedene Gruppen von Antiepileptika. Zu den „Klassikern“ gehören eine Reihe von Medikamenten, die sich seit Jahren bewährt haben. Sie haben zwar eine gute Wirksamkeit auf die verschiedensten Anfallsformen, werden aber von den Betroffenen oft nicht so gut vertragen. Diese Arzneimittel werden daher heute nur noch eingeschränkt als Zweit- oder Drittmittel gegeben, wenn die neueren Therapien nicht ausreichend wirken.

Nach den Klassikern wurden in den 60er und 70er Jahren neue Medikamente zur Epilepsiebehandlung auf den Markt gebracht. Diese waren genau so wirksam wie die Klassiker, zeichneten sich aber durch eine tendenziell bessere Verträglichkeit aus. Auf diese Vorläufer stützt sich heute noch die antiepileptische Therapie. Denn immer noch leiden viele Betroffene unter Nebenwirkungen, wie z.B. chronischer Müdigkeit. Daher war und ist es wichtig, neue Medikamente zu finden, die noch effektiver in der Behandlung sind, aber mit weniger bzw. gar keinen Nebenwirkungen einhergehen. Seit Beginn der 90er Jahre wurden viele dieser sogenannten „Neueren Antiepileptika“ zugelassen. Sie zeichnen sich durch eine gute Wirksamkeit aus und werden oft besser vertragen als die länger bekannten Arzneimittel. Bei einigen speziellen Epilepsien sind sie sogar noch besser wirksam. Dank der vielen verfügbaren Medikamente sind heute bis zu 80% der Patienten anfallsfrei.

Ein wichtiger Faktor: Die Compliance 

Unter Compliance versteht man die Zusammenarbeit des Patienten mit seinem Arzt. Sie beinhaltet, dass der Patient die ihm verordneten Medikamente regelmäßig einnimmt und die Therapie nicht vorzeitig abbricht. Eine geringe „Compliance“ dagegen ist häufig die Ursache für eine unzureichende Anfallskontrolle in der Behandlung der Epilepsie.

Die häufigsten Gründe für Therapieabbrüche sind dosisbezogene sowie kognitive Nebenwirkungen - also Nebenwirkungen, die Funktionen der Wahrnehmung, des Lernens, Erinnerns und Denkens betreffen - der Antiepileptika und eine unzureichende Anfallskontrolle. Eine Erhöhung der Wirksamkeit bei reduzierten Nebenwirkungen, wie sie bei den neueren Antiepileptika festzustellen sind, verbessert dagegen die Compliance. Daher gelten diese neueren Antiepileptika für die Langzeittherapie der Epilepsie als sehr vielversprechend.

Regelmäßige Kontrollen 

Zu den regelmäßigen Kontrollen, die der Arzt durchführen muss, gehören neben den Verlaufskontrollen, die sich auf die Anfallshäufigkeit und Anfallsart beziehen, auch verschiedene andere. So ist die regelmäßige Überprüfung des Blutbildes notwendig, um Folgeerkrankungen rechtzeitig zu erkennen.

Wirkungsentfaltung der Antiepileptika 

Ihre volle Wirkung entfalten Antiepileptika, wenn ihr Blutspiegel konstant ist. Die maximale Wirkstoffkonzentration im Blut wird zwischen 30 Minuten bis sechs Stunden nach der Einnahme des Antiepileptikums erreicht. Medikamente mit einer langsamen Freisetzung des Wirkstoffs erreichen den konstantesten Wirkspiegel. Hier kann die Medikamenteneinnahme in längeren Abständen erfolgen.

Im Zusammenhang mit der Wirkung von Medikamenten wird häufig von der Halbwertszeit gesprochen. Darunter versteht man den Zeitraum, in dem die maximale Wirkstoffkonzentration im Blut halbiert wird. Die Halbwertszeit bestimmt die Einnahmeintervalle der Arzneimittel. Ist die Halbwertszeit niedrig, besteht die Gefahr, dass die Wirkstoffkonzentration im Blut sehr schnell abnimmt und zu gering wird, um eine ausreichende Anfallskontrolle zu gewähren. Hier empfiehlt sich eine mehrmalige Einnahme der gleichen Wirkstoffmenge über den Tag verteilt. Medikamente mit einer längeren Halbwertszeit weisen stabilere Wirkstoffkonzentrationen im Blut auf und erlauben längere Abstände zwischen den Einnahmen.

Nebenwirkungen 

Antiepileptika können neben der gewünschten Arzneimittelwirkung auch unerwünschte Wirkungen, sogenannte Nebenwirkungen, auslösen. Unterschieden wird dabei zwischen dosisabhängigen bzw. vorhersehbaren und nicht dosisabhängigen bzw. nicht vorhersehbaren Nebenwirkungen. Dosisabhängige Nebenwirkungen äußern sich meist in Form milder und kurzzeitiger Symptome, wie Müdigkeit, Bauchbeschwerden, Schwindel und verschwommenes Sehen in den ersten Einnahmetagen, die durch eine geringfügige Dosisreduktion behoben werden können. Beispiele für dosisunabhängige Nebenwirkungen sind allergische Hautausschläge, Schädigungen des Knochenmarks und der Blutbildung, der Leber oder der Niere.Neuere Wirkstoffe, die zur Behandlung der Epilespie eingesetzt werden, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirksamkeit nicht maßgeblich von den älteren Präparaten, besitzen jedoch oft ein günstigeres Nebenwirkungsprofil und können deshalb als gute Ergänzung der bisherigen therapeutischen Möglichkeiten angesehen werden.

Dosierung von Antiepileptika 

Fast alle Antiepileptika sollten zu Beginn der Behandlung langsam ein- und aufdosiert werden. Das Arzneimittel ist so einzustellen, dass es die Anfälle unterdrückt, aber keine Nebenwirkungen auslöst. Werden mehrere Präparate gleichzeitig eingenommen, kann es zur Verstärkung oder auch Abschwächung der Wirkungen und der Nebenwirkungen kommen. Überdosierungserscheinungen bzw. ein eher noch gefährlicherer Wirkverlust können die Folgen sein.Schnell abgesetzt werden dürfen Antiepileptika nur in Notfällen bei schweren Allergien – und dann auch nur mit einem Begleitschutz durch andere Medikamente. Ansonsten kann es zu schweren Komplikationen bis hin zum Status epilepticus kommen.