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Epilepsie und Schule

Einen großen Teil ihrer Zeit verbringen Kinder in der Schule. Dabei ist nicht nur das Lernen von Bedeutung, sondern auch die Entwicklung von sozialen Fähigkeiten und die Akzeptanz in der Gruppe. Wie bei jedem gesunden Kind auch, ist es wichtig, dass sich das Kind in der neuen Umgebung wohlfühlt, damit es den Anforderungen gerecht werden kann und Freude am Lernen entwickelt.

Epilepsie und Schule
Den Klassenlehrer in der Schule mit einbeziehen

Der Klassenlehrer sollte in der Schule von Anfang an über die Epilepsie des Kindes umfassend informiert werden, damit er auf die Besonderheiten des Kindes Rücksicht nehmen, die Integration in der Klasse fördern und im Notfall angemessen reagieren kann. Die Aufgabe des Klassenlehrers ist es, die notwendigen Informationen an die anderen Lehrkräfte in der Klasse sowie an die Schulleitung weiterzugeben und gemeinsam, in Abstimmung mit den Eltern, pädagogisch sinnvolle Verhaltensweisen zu besprechen. Der Klassenlehrer sollte die Integration in der Klasse fördern, so dass die Mitschüler erkennen, dass anfallskranke Kinder sich - zwischen den Anfällen - durch nichts von ihren Altersgenossen unterscheiden.

Wichtig ist auch, dass der Lehrer Absencen oder komplex-partielle Anfälle erkennen kann, die zu Beeinträchtigungen beim Verfolgen des Lehrstoffes und zu Fehlern in Arbeiten führen können. Hilfreich ist es hierbei, einen Anfallskalender zu führen und mit dem Lehrer abzusprechen, inwiefern Prüfungen in eine anfallsarme Zeit gelegt werden können. Der Lehrer sollte zudem wissen, ob es aufgrund von Medikamenten zu Aufmerksamkeitsstörungen, Verlangsamung und leichter Ermüdbarkeit kommen kann, so dass diese Einschränkungen bei der Notengebung berücksichtigt werden kann.

Um darüber informiert zu sein, ob sich Ihr Kind in der Schule wohl fühlt, wie es sich dort verhält und wie es mit den Lehrinhalten zurechtkommt, ist ein regelmäßiger Austausch mit den Lehrern wichtig. Verhaltensauffälligkeiten können so rechtzeitig erkannt und ihre Ursachen beseitigt werden. Mögliche Gründe für ein verändertes Verhalten Ihres Kindes können beispielsweise unerwünschte Nebenwirkungen infolge einer Medikamentenumstellung sein, oder Ihr Kind fühlt sich möglicherweise in der Schule über- oder unterfordert oder sozial ausgegrenzt.

Viele Lehrer haben wegen gesetzlicher Ansprüche und Haftungsverpflichtungen Bedenken. Bei der Beaufsichtigung von Kindern mit Epilepsie besteht jedoch keine besondere Haftungsverpflichtung. Nur vorsätzliche oder fahrlässige Verletzung der Aufsichtspflicht kann einen Haftungsanspruch begründen. Umfangreiches Informationsmaterial für Lehrer hat der Landesverband Epilepsie Bayern e.V. auf der Interseite www.epilepsie-lehrerpaket.de zusammengestellt.

Wahl der Schulform bei Epilepsie

Regelschule

Die weitaus meisten Kinder mit Epilepsie sind normal intelligent und können wie jedes andere Kind die Schule besuchen, die ihrer Begabung entspricht. Kinder und Jugendliche mit einer Epilepsieerkrankung findet man an allen Schulformen. Häufige Anfälle, die Nebenwirkungen der Medikamente, längere Krankenhausaufenthalte oder psychosoziale Belastungen können jedoch ihre Lern- und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Entscheidend ist dabei die Frage, ob das Kind die schulischen Anforderungen voraussichtlich erfüllen wird.

Langfristige Über- oder Unterforderungen sind zu vermeiden. So ist es nicht sinnvoll, durch gut gemeinte Nachsicht ein epilepsiekrankes Kind in einer Klasse bzw. Schule zu belassen, in der es die geforderte Leistung nur unter großen Mühen und mit zusätzlichen Hilfen erreichen kann. Aber ebenso falsch ist es, durch unangebrachte Rücksichtnahme, das Kind ständig zu unterfordern. Beides würde neue Probleme schaffen, zu Spannungen führen und möglicherweise psychische Störungen hervorrufen.

Es ist aber auch zu bedenken, dass manche epilepsiekranke Schüler nicht das leisten, was man angesichts ihrer intellektuellen Begabung erwarten könnte. Oft bleiben sie aufgrund von Konzentrationsproblemen oder rascher Ermüdbarkeit hinter ihren eigentlichen Möglichkeiten zurück. Die Diskrepanz zwischen Begabung und tatsächlicher Schulleistung kann dazu führen, dass Eltern enttäuscht werden. Das Kind fühlt sich dann überfordert und missverstanden. Daher sollten Eltern immer im Austausch mit den Lehrern bleiben und ggf. auch einen Schulwechsel nicht ausschließen.

Schule für körperbehinderte Kinder

Leidet das betroffene Kind häufig an epileptischen Anfällen oder wird die Lern- und Leistungsfähigkeit des Kindes durch starke Medikamenten-Nebenwirkungen, längere Krankenhausaufenthalte oder soziale Ausgrenzung beeinträchtigt, kann es sinnvoll sein, das Kind in eine Schule für körperbehinderte Kinder einzuschulen. Hier werden Kinder in sehr kleinen Klassen individuell in allen Leistungsstufen gefördert. Da Epilepsie eine Körperbehinderung darstellt, hat das Kind, wenn es an epileptischen Anfällen leidet, Anspruch auf einen Platz in einer solchen Schule.

Die Schule für Körperbehinderte ist in der Regel in drei Züge gegliedert. Die Gruppen bestehen aus 5 - 8 Kindern. Der A-Zug folgt dem Lehrplan der Grund- und Hauptschulen. Ein Übertritt in Gymnasium oder in die Realschule ist möglich. An die 9-10 Schuljahre kann ein Berufsgrundschuljahr angehängt werden, das zur Aufnahme in ein Berufsbildungswerk führen kann. Der B-Zug entspricht der Schule für lernbehinderte Kinder. Der C-Zug fördert vornehmlich mehrfachbehinderte, körperlich und geistig behinderte Kinder.

Schule für Kinder mit geistiger Behinderung

In dieser Schulform findet sich die ganze Bandbreite zwischen stark lernbehinderten und schwerst mehrfachbehinderten Kindern. Sie ist für Kinder mit Epilepsien, die im kognitiven Lernen so stark beeinträchtigt sind, dass der Erwerb lebenspraktischer Fähigkeiten den Vorrang im Unterricht haben muss, ein realistischer Lernort. Das Erlernen von Lesen, Schreiben und der Grundbegriffe der Mathematik erfolgt nach individueller Förderfähigkeit.

In der Regel schließt sich dieser Schulform eine dreijährige Werkstufe oder eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme an. In einigen großen Epilepsiezentren (z.B. in Raisdorf-Kiel, Bethel-Bielefeld und Kehl-Kork) gibt es spezielle Schulen für Kinder mit Epilepsien. In Fragen der Schulzuordnung kann Beratung bei Erziehungsberatungsstellen, beim schulpsychologischen Dienst, bei Schulbehörden und beim betreuenden Arzt eingeholt werden, der ggf. einen Psychologen zur Untersuchung hinzuzieht.

Tipps für die Schulzeit

In der Vorbereitung auf die Schule ist es wichtig, Lehrer und auch die Mitschüler über die Krankheit Ihres Kindes genau zu informieren und bestimmte Vorgehensweisen und Fragen im Vorfeld zu klären:

  • Was ist während eines epileptischen Anfalls zu tun?
  • Wann muss ein Notarzt gerufen werden?
  • Wer ist im Notfall zu benachrichtigen?
  • Soll das Kind nach dem Anfall von der Schule abgeholt werden?

Eine Vorlage für Vereinbarungen für das Verhalten bei einem Anfall stellt der Landesverband Epilepsie Bayern e.V. als Notfallplan zur Verfügung.

Nicht nur bei Ausflügen und Klassenfahrten, sondern auch für den täglichen Weg zur Schule kann das Mitführen des internationalen Notfallausweises (IENA) sehr sinnvoll sein. Der IENA kann beim Landesverband Epilepsie NRW online hier bestellt werden. Sollte das Kind unterwegs einen Anfall erleiden, enthält er alle wichtigen Informationen für Ersthelfer, wie beispielsweise Eintragungen über das Krankheitsbild, Behandlungsmaßnahmen und die Medikation.

Epilepsie und Klassenfahrten

Leider werden viele Kinder mit Epilepsien aus Furcht vor Anfällen von Unterrichtsgängen, Klassenausflügen oder vom Besuch des Schullandheims ausgeschlossen. Hierzu besteht jedoch im Allgemeinen kein Grund.

Bei jüngeren Kindern kann die Begleitung durch ein Elternteil sinnvoll sein. Solche Unternehmungen bedürfen einer guten Vorbereitung und einer detaillierten Absprache zwischen Betroffenen, Eltern und Lehrkräften. Besonders bei jugendlichen Schülerinnen und Schülern sind mehrtägige Klassenfahrten fast zwangsläufig mit Schlafdefizit, mitunter auch mit Alkoholkonsum verbunden. Deshalb ist es wichtig, auch dem betroffenen Jugendlichen deutlich zu machen, notwendige Verhaltensregeln einzuhalten und sich gemeinsam mit den Mitschülern an Absprachen zu halten und Verantwortung zu übernehmen.

Wichtig bei Klassenfahrten sind:

  • Geregelte Medikamenteneinnahme
  • Medikamente in einer Dosette für die Dauer der Klassenfahrt mitnehmen
  • Mindestens eine Tagesdosis an Medikamenten als Reserve mitnehmen
  • Ggf. Notfallmedikation mitnehmen
  • Telefon-Nr. des Epileptologen mitnehmen
  • Geregelten Nachtschlaf sicherstellen und darauf hinweisen, dass geregelte Bettzeiten eingehalten werden müssen
  • Nachtfahrten per Zug oder Bus vermeiden
  • Verbot von Alkoholgenuss
  • Vereinbarungen für den Notfall treffen

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