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Epilepsie bei Jugendlichen und Erwachsenen

Etwa zehn Prozent der erwachsenen Menschen erleiden in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Die meisten dieser Anfälle sind allerdings nicht auf eine Epilepsie zurückzuführen, sondern werden durch akute Erkrankungen bzw. plötzliche Schädigungen des Gehirns ausgelöst. Bei ca. drei bis vier Prozent der Betroffenen treten im Laufe des Lebens Epilepsien auf, die meisten beginnen entweder bereits im Jugendalter oder aber erst nach dem 60. Lebensjahr. Die häufigsten Epilepsieformen und Ursachen sind folgende:

Idiopathische generalisierte Epilepsien (genetisch bedingt)

  • Juvenile Absence-Epilepsie (JAE)
  • Juvenile myoklonische Epilepsie (JME, Impulsiv Petit Mal)
  • Epilepsie mit Grand Mal Anfällen beim Erwachen (Aufwach Grand Mal)

Idiopathische fokale Epilepsien (genetisch bedingt)

  • Primäre Lese-Epilepsie

Symptomatische oder kryptogene fokale Epilepsien (mit nachweisbarer oder vermuteter Schädigung des Gehirns)

  • Temporallappen (Schläfenlappen) Epilepsie
  • Frontallappen (Stirnlappen) Epilepsie
  • Parietallappen (Scheitellappen) Epilepsie
  • Okzipitallappen (Hinterhauptslappen) Epilepsie

Juvenile Absence-Epilepsie

Die juvenile Absence-Epilepsie (JAE) ist gekennzeichnet durch das Auftreten typischer Absence-Anfälle, ca. 80 % der Patienten haben zusätzlich generalisiert tonische klonische Anfälle (Grand Mal Anfälle) und manche auch myoklonische Anfälle. Diese genetisch bedingte und deshalb als idiopathisch bezeichnete generalisierte Epilepsie tritt meist im Alter von 9 bis 13 Jahren erstmals auf, also kurz vor oder während der Pubertät. Teilweise können die Anfälle durch bestimmte Faktoren wie Aufregung (Absencen) oder mangelnden Schlaf (Grand Mal Anfälle) provoziert werden. Eine relativ geregelte Lebensführung ist deshalb wichtig. Die Prognose ist gut, bei ungefähr drei Viertel aller Patienten können die Anfälle mit dem geeigneten Medikament vollständig unterdrückt werden. Allerdings bleibt die JAE das ganze Leben bestehen, das heißt die Medikamente müssen auch lebenslang eingenommen werden. Darauf sollte bei der Auswahl des Antiepileptikums geachtet werden.

Juvenile myoklonische Epilepsie

Die juvenile myoklonische Epilepsie (JME) ist die häufigste genetisch bedingte (idiopathische) Epilepsie bei Jugendlichen und Erwachsenen. Sie macht etwa 10 % aller Epilepsien in dieser Altersgruppe aus. Die auftretenden Anfälle sind die gleichen wie bei der juvenilen Absence-Epilepsie, weshalb sich beide Syndrome manchmal schwer unterscheiden lassen.

Typischerweise treten zunächst im Alter zwischen 5 und 16 Jahren Absencen auf, die allerdings auch fehlen können. Nach ein bis neun Jahren folgen myoklonische Anfälle, also kurze Muskelzuckungen, insbesondere im Bereich der Arme und Schultern. Diese Myoklonien sind typisch und geben dem Syndrom den Namen. Sie treten insbesondere morgens, kurz nach dem Aufstehen auf. Sie sind plötzlich und nicht kontrollierbar und führen deshalb häufig zu verschüttetem Kaffee oder weggeworfenen Zahnbürsten.

Als letztes, meist einige Monate später, treten dann auch generalisiert tonisch-klonische Anfälle (Grand Mal Anfälle) auf. Die Anfälle bei JME sind besonders empfindlich auf auslösende Faktoren wie Schlafmangel und viel Alkoholkonsum. Jugendliche berichten häufig, dass ihr erster Grand Mal Anfall am Morgen nach einer durchzechten Nacht in der Disco aufgetreten ist. Bei manchen der JME Patienten können Anfälle auch durch bestimmte Lichtreize ausgelöst werden. Mehr noch als bei der JAE ist eine geregelte Lebensführung wichtig zur Vermeidung von Anfällen.

Dies kann bei den betroffenen Jugendlichen manchmal eine große Herausforderung sein. Auch die JME ist eine lebenslange Erkrankung mit entsprechend notwendiger lebenslanger Therapie. Mit dem geeigneten Antiepileptikum werden aber 9 von 10 Patienten anfallsfrei und können ein mehr oder weniger normales Leben führen.

Epilepsie mit Grand Mal Anfällen beim Erwachen

Auch die Epilepsie mit Grand Mal Anfällen beim Erwachen ist eine genetisch (idiopathisch) bedingte generalisierte Epilepsie. Es ist allerdings unklar, ob es sich wirklich um ein eigenständiges Syndrom handelt oder eher eine Variante der JME. Die generalisiert tonisch-klonischen Anfälle sind jedenfalls die vorherrschende Anfallsform, treten allerdings nicht unbedingt nur kurz nach dem Erwachen auf. Meist treten die ersten Anfälle bei Jugendlichen im Alter von 16 bis 17 Jahren auf, vereinzelt kann diese Epilepsie aber auch erst spät im Erwachsenenalter beginnen. Auch hier handelt es sich um eine lebenslange Erkrankung mit einem hohen Risiko von wieder auftretenden Anfällen nach Absetzen des Antiepileptikums. Erfreulicherweise werden mit dem geeigneten Medikament aber die meisten Patienten anfallsfrei.

Idiopathische fokale Epilepsien (genetisch bedingt)

Primäre Lese-Epilepsie

Bei einer Lese-Epilepsie löst der Vorgang des Lesens oder vor allem des lauten Vorlesens bei den Patienten einen epileptischen Anfall aus. Als Gründe vermuten Experten die mit dem Lesen einhergehende Konzentration, die emotionale Einbindung oder die Gehirnstimulation durch Fotos.

Beginn der Erkrankung ist meist die Pubertät, in Einzelfällen kann sie aber auch nach dem 25. Lebensjahr auftreten. Während des Lesens oder Sprechens auftretende Zuckungen der Kaumuskulatur sowie der Gesichts- und Halsmuskulatur sind typische Symptome der Erkrankung. In seltenen Fällen kann ein Anfall in einen generalisierten tonisch-klonischen Anfall übergehen. Meist ist die Lese-Epilepsie jedoch gut kontrollierbar.

Symptomatische oder kryptogene fokale Epilepsien (mit nachweisbarer oder vermuteter Schädigung des Gehirns)

Symptomatische oder kryptogene fokale Epilepsien haben eine nachgewiesene oder vermutete Grunderkrankung, die zu einer Schädigung von Teilen des Gehirns führt, die dann wiederum epileptische Anfälle verursacht. Es gibt sehr viele Ursachen, die zu einer solchen Schädigung führen können, z.B.

  • Tumore im Gehirn
  • Infektionen durch Viren oder Bakterien, Parasiten
  • Blutgefäßschädigungen im Gehirn (z.B. Schlaganfall)
  • Missbildungen bei der Gehirnentwicklung
  • Bestimmte Stoffwechselerkrankungen
  • Kopfverletzungen

Entsprechend der Mannigfaltigkeit der möglichen Ursachen können diese Epilepsien praktisch in jedem Lebensalter auftreten mit Spitzen bei Kindern und Jugendlichen sowie älteren Menschen. Entsprechend dem Ort der Schädigung im Gehirn, von dem die Anfälle primär ausgehen, werden diese Epilepsien grob nach den einzelnen Gehirnlappen (Schläfen-, Stirn-, Scheitel,- und Hinterhauptslappen) benannt. Es gibt allerdings auch Mischformen. Die auftretenden Anfallssymptome sind sehr vielfältig und reichen von rein subjektiven, das heißt nur für den Patienten selbst wahrnehmbaren Symptomen, über unkontrollierte Bewegungen ohne und mit Bewusstseinsstörungen bis hin zu sekundär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen.

Temporallappen (Schläfenlappen) Epilepsie

Epilepsien, die durch Schädigungen im Temporallappen hervorgerufen werden, machen etwa ein Drittel aller Epilepsien aus und sind damit die häufigsten Epilepsien überhaupt. Unter den Temporallappen Epilepsien gibt es wiederum ein besonders oft vorkommendes Syndrom. Es macht zwei Drittel aller Temporallappen Epilepsien und ca. 20 % der Epilepsien überhaupt aus:

Mesiale Temporallappen Epilepsie mit Hippocampussklerose

Dieser medizinische Ausdruck beschreibt eine Epilepsie, die durch eine strukturelle Veränderung (Sklerose) einer bestimmten Nervenzellregion (Hippocampus genannt) an der Innenseite (mesial) des Temporallappens hervorgerufen wird. Die Anfälle treten meist im Alter von 4 bis 16 Jahren erstmals auf.

Die genaue Ursache, welche die im MRT (Magnetresonanztomographie) nachweisbaren Veränderungen im Hippocampus hervorruft, ist bislang unbekannt. Viele der Patienten haben vor dem fünften Lebensjahr Fieberkrämpfe, Traumata, Sauerstoffmangel oder Infektionen des Gehirns erlebt. Typischerweise haben diese Patienten zunächst einfach fokale subjektive Anfälle, meist ein von der Magengegend ausgehendes aufsteigendes Gefühl des Unwohlseins, das auch als Aura bezeichnet wird.

Häufig folgt dann ein komplex-fokaler Anfall, das Bewusstsein trübt sich plötzlich oder schleichend ein und der Patient macht unwillkürliche stereotype (gleichförmige) Bewegungen, die auch als Automatismen bezeichnet werden. Diese Automatismen können Lippen und Mund betreffen (Schmatzen) oder Nestelbewegungen der Hände sein. Ab und an gehen die fokalen Anfälle auch sekundär in einen generalisiert tonisch-klonischen Anfall (Grand mal) über. Mit geeigneter Medikation werden knapp die Hälfte der Patienten anfallsfrei, viele sind aber resistent gegenüber Antiepileptika.

Allerdings gibt es bei diesem Syndrom besonders gute Aussichten, durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff, bei dem der krankhaft veränderte Hippocampus entfernt wird, Anfallsfreiheit und damit eine tatsächliche Heilung der Epilepsie zu erreichen. Deshalb raten die Experten den Patienten, auch nach zwei erfolglosen Versuchen mit Antiepileptika ein Spezialzentrum aufzusuchen, um die chirurgischen Möglichkeiten abzuklären und sich beraten zu lassen.

Frontallappen (Stirnlappen) Epilepsie

Epilepsien, die vom Frontallappen ausgehen, sind mit 1 bis 2 % aller Epilepsien relativ selten. Entsprechend der vielen möglichen Ursachen können sie in jedem Lebensalter auftreten. Da im Frontallappen die Muskulatur und damit die Bewegungen gesteuert werden, sind die fokalen Anfälle häufig mit sehr heftigen Bewegungen verbunden. Bei bestimmten Formen der Frontallappen Epilepsie treten die Anfälle bevorzugt nachts auf. Sekundär generalisierte tonisch-klonische Anfälle (Grand mal) sind häufiger als bei Temporallappen Epilepsien. Die Anfälle sind häufig resistent gegenüber einer Behandlung mit Antiepileptika.

Parietallappen (Scheitellappen) Epilepsie

Parietallappen Epilepsien sind ebenfalls relativ selten (6% aller fokalen Epilepsien) und können abhängig von den Ursachen in jedem Lebensalter auftreten. Die auftretenden Anfälle sind hauptsächlich einfach fokal, das heißt ohne Beeinträchtigung des Bewusstseins. Am häufigsten sind sogenannte somatosensorische Anfälle, die Körpergefühle vortäuschen, z.B. Kribbeln, Kitzeln, Taubheitsgefühl, Brennen und so weiter. Diese Anfälle sprechen meist gut auf Antiepileptika an.

Okzipitallappen (Hinterhauptslappen) Epilepsie

Auch Okzipitallappen Epilepsien können je nach Ursache in jedem Lebensalter beginnen. Im Okzipitallappen werden unsere Augen gesteuert und das Sehen verarbeitet. Entsprechend äußern sich die Anfälle häufig z.B. in visuellen Halluzinationen, vorübergehender Blindheit oder unkontrollierten Augenbewegungen. Das Bewusstsein bleibt meist erhalten, die Anfälle können sich allerdings auf andere Gehirnbereiche ausdehnen und dann zu Bewusstseinsverlust und unkontrollierten Bewegungen anderer Körperpartien führen. Auch sekundär generalisierte tonisch-klonische Anfälle können auftreten. Okzipitallappen Epilepsien sprechen je nach Ursache unterschiedlich gut auf die Behandlung mit Antiepileptika an.

Epilepsien im höheren Alter

Erfolgt eine Erstdiagnose der Epilepsie nach dem 60. oder 65. Lebensjahr, spricht man von einer „Altersepilepsie“. Basierend auf medizinischen Beobachtungen geht man davon aus, dass erstmals im Alter auftretende epileptische Anfälle besser mit Antiepileptika therapiert werden können als früher auftretende Anfälle. Etwa 60 bis 80 Prozent der Patienten mit einer erstmalig aufgetretenen Epilepsie im höheren Lebensalter sollen anfallsfrei werden. Die häufigste Ursache sind Gefäßschädigungen im Gehirn, z.B. durch einen Schlaganfall, entsprechend sind die meisten Altersepilepsien symptomatische fokale Epilepsien. Die Behandlung wird dem Alterszustand entsprechend auf eine verminderte Funktion der Leber und Niere angepasst: Grundsätzlich bedeutet dies eine niedrigere Dosierung der Medikamente.

Weitere Tipps und Informationen über Epilepsien im höheren Alter finden Sie im Kapitel Epilepsie im Alter.

Epilepsie im Alter

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