Erforschung moderner
Anti-Anfallsmedikamente

Bevor ein Arzneimittel die Zulassung erlangt, muss seine Wirksamkeit und Verträglichkeit nachgewiesen werden. Hierfür sind in der Regel viele Jahre intensiver Forschung notwendig.

Der Weg zur Marktreife – eine kurze Einführung in die klinische Prüfung

Bevor ein Medikament auf den Markt kommt, hat es bereits einige Meilensteine überwunden. Hat sich eine Substanz in der präklinischen Forschung, also im Labor und auch in den von den Behörden vorgeschriebenen Tierstudien, als wirksam und gut verträglich erwiesen, kommt es in die nächste Phase der Prüfung – die klinische Untersuchung.

Die klinische Prüfung eines Medikaments ist im Wesentlichen in drei Phasen eingeteilt, die aufeinander aufbauen.

Phase 1

Anwendung an wenigen gesunden Freiwilligen

Die ersten Studien eines Medikaments am Menschen gehören zur Phase 1. Gruppen von freiwilligen, gesunden Testpersonen (Proband:innen) lassen sich dabei in darauf spezialisierten Einrichtungen mit dem Medikament behandeln.

Untersucht wird in Phase 1-Studien, ob sich die aus den in Tierversuchen gewonnenen Vorhersagen zum „Verhalten“ des Wirkstoffs bestätigen lassen: Wie schnell gelangt der Wirkstoff nach der Einnahme des Medikaments ins Blut und wie lange verbleibt er dort? Wie wird der Wirkstoff im Körper umgewandelt und wie schnell bzw. auf welchem Weg verlässt er den Körper wieder? (Von diesen Fragen hängt beispielsweise ab, wie häufig der Wirkstoff später für eine Behandlung angewendet werden muss). 

Es wird auch genau untersucht, wie gut der Wirkstoff vertragen wird. Gestartet wird dabei üblicherweise mit einer einzelnen Anwendung in sehr geringer Dosierung, welche in weiteren Untersuchungen schrittweise erhöht wird. So können die Prüfer:innen herausfinden, welche Dosis, auch bei Mehrfachverabreichung, gut verträglich ist.

Im Verlauf der Phase 1 wirken in der Regel 60 bis 80 Proband:innen mit.


Phase 2

Anwendung an wenigen Patient:innen 

Hat sich in der Phase 1 eine Substanz grundsätzlich als verträglich herausgestellt, geht sie in die Phase 2. In den hier durchgeführten Studien, die typischerweise jeweils mit 100 bis 500 Patient:innen durchgeführt werden, wird nun zum einen die grundsätzliche Wirksamkeit des Medikaments an Patient:innen der angestrebten Behandlungsgruppe mit der entsprechenden Erkrankung geprüft. Zum anderen werden Nebenwirkungen dokumentiert und festgestellt, welche Dosierungen am besten geeignet sind.

Phase 3

Anwendung unter praxisnahen Bedingungen (viele Patient:innen)

Konnten die Phase-2-Studien die Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Medikamentes grundsätzlich bestätigen, werden die Phase-3-Studien dann mit Tausenden von Teilnehmer:innen durchgeführt, um zu prüfen, ob sich die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit des untersuchten Wirkstoffs auch bei vielen unterschiedlichen Patient:innen bestätigen lassen. In der Phase 3 werden zudem Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten untersucht.

Sind auch die Phase-3-Studien erfolgreich, kann die Zulassung zum Markt bei den Behörden beantragt werden. In der Europäischen Union ist dafür die EMA (European Medicines Agency, Europäische Arzneimittel-Agentur) zuständig.

Wichtig: der Vergleich unterschiedlicher Behandlungsgruppen

Bei Studien der Phase 2 und Phase 3 werden immer Gruppen von Patient:innen miteinander verglichen, die eine unterschiedliche Behandlung erhalten. Typischerweise erhält dabei die eine Gruppe das neue Medikament, während die andere Gruppe mit dem bisherigen Standardpräparat behandelt wird. In anderen Fällen erhalten beide Gruppen die gleiche medikamentöse „Grundbehandlung“, wobei eine Gruppe zusätzlich das neue Medikament erhält, die andere hingegen ein wirkstofffreies Scheinmedikament (Placebo). Solche vergleichenden Studien heißen auch kontrollierte Studien.

Um zu verhindern, dass die Patient:innen oder die Ärztinnen/Ärzte eine Erwartungshaltung aufbauen, welche die Studienergebnisse möglicherweise verfälschen könnte, werden die Studien in der Regel verblindet. Bei einer einfachen Verblindung wissen die teilnehmenden Patient:innen nicht, wer welche Behandlung erhält.  Weiß keine der beiden Parteien, wer zu welcher Behandlungsgruppe gehört, so spricht man von einer doppelblinden Studie. Eine Möglichkeit der Verblindung ist beispielsweise, das neue Medikament und das wirkstofffreie Scheinmedikament nicht unterscheidbar zu machen – zum Beispiel durch identisch aussehende Tabletten.

Falls möglich, werden die Patient:innen bei klinischen Studien zudem nach dem Zufallsprinzip (Fachleute sprechen von randomisiert) auf die Behandlungsgruppen verteilt. Durch die zufällige Zuordnung auf die Behandlungsgruppen soll gewährleistet werden, dass die Gruppen so identisch wie möglich sind und unbekannte Unterschiede möglichst gleich auf die verschiedenen Gruppen verteilt werden.

Studien nach der Zulassung

Prüfung nach Zulassung und unter Alltagsbedingungen

Auch wenn ein Medikament bereits zugelassen ist, beobachten Hersteller und Behörden das neue Medikament weiterhin sehr aufmerksam. Es wird untersucht, wie sich das Präparat unter Alltagsbedingungen bewährt. Weitere Optionen in dieser Phase können der Vergleich mit einem anderen Präparat sein und die Überprüfung, wie sich das Medikament bei speziellen Patient:innengruppen verhält, wie beispielsweise bei Patient:innen mit Diabetes oder einer Herzerkrankung.

Die Regularien der Forschungsarbeit

Klinische Studien sind in der EU, Japan und den USA streng geregelt und folgen einheitlichen Richtlinien, die von der Internationale Konferenz zur Harmonisierung technischer Anforderungen für die Zulassung von Humanarzneimitteln (englisch „International Council for Harmonisation of Technical Requirements for Pharmaceuticals for Human Use“ = ICH) erarbeitet wurden. Die ICH ist eine weltweit tätige Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, einheitliche Standards für die Durchführung klinischer Studien umzusetzen, um die Wirksamkeit, Verträglichkeit sowie eine hohe Qualität von Medikamenten zu gewährleisten.

DE-N-DA-EPI-2000010          Aktualisierung: Juli 2022