Erforschung moderner Antiepileptika

Bevor ein Arzneimittel die Zulassung erlangt, muss seine Wirksamkeit und Verträglichkeit nachgewiesen werden. Hierfür sind in der Regel viele Jahre intensiver Forschung notwendig.

Der Weg zur Marktreife – eine kurze Einführung in die klinische Prüfung

Bevor ein Medikament auf den Markt kommt, hat es bereits einige Meilensteine überwunden. Hat sich eine Substanz in der präklinischen Forschung, also im Labor und auch in den von den Behörden vorgeschriebenen Tierstudien, als wirksam und gut verträglich erwiesen, kommt es in die nächste Phase der Prüfung – die klinische Untersuchung.

Die in klinischen Studien gewonnenen Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit des untersuchten Arzneimittels können durch Extrapolationen Aufschluss über weitere Bereiche geben, zum Beispiel für die Entwicklung eines Arzneimittels für die Pädiatrie, die Anwendung bei Kindern. Unter Extrapolation ist im Allgemeinen die Ausweitung von Erkenntnissen über den Bereich hinaus zu verstehen, für den sie belegt sind. Bei der Entwicklung von Arzneimitteln für Kinder ist eine Extrapolation zulässig, wenn die betreffende Erkrankung sowohl zwischen erwachsenen und pädiatrischen Patienten als auch innerhalb der pädiatrischen Altersgruppen ähnlich verläuft.

Die klinische Prüfung eines Medikaments ist im Wesentlichen in drei Phasen eingeteilt, die aufeinander aufbauen.

Phase 1

Anwendung an gesunden Freiwilligen

Die ersten Studien eines Medikaments am Menschen gehören zur Phase 1. Gruppen von freiwilligen, gesunden Testpersonen (Probanden) lassen sich dabei in darauf spezialisierten Einrichtungen mit dem Medikament behandeln.

Gestartet wird üblicherweise mit einer einzelnen Anwendung in sehr geringer Dosierung, welche in weiteren Untersuchungen schrittweise erhöht wird. So können die Prüfer herausfinden, welche Dosis, auch bei Mehrfachverabreichung, gut verträglich ist.

Phase 2

Anwendung an Patienten

Hat sich in der Phase 1 eine Substanz grundsätzlich als verträglich herausgestellt, geht sie in die Phase 2. In den hier durchgeführten Studien wird nun zum einen die grundsätzliche Wirksamkeit des Medikaments an Patienten der angestrebten Behandlungsgruppe mit der entsprechenden Erkrankung geprüft. Zum anderen werden Nebenwirkungen dokumentiert und festgestellt, welche Dosierungen am besten geeignet sind.

Phase 3

Anwendung unter praxisnahen Bedingungen

Konnten die Phase-2-Studien die Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Medikamentes grundsätzlich bestätigen, werden die sogenannten „pivotalen“, also grundlegenden, Phase-3-Studien durchgeführt. Viele hundert Patienten, bei manchen Krankheitsbildern auch über tausend, werden nun über einen längeren Zeitraum mit den in der Phase 2 ermittelten Dosierungen behandelt. Dabei werden sie nach dem Zufallsprinzip in mehrere Gruppen eingeteilt und somit randomisiert.

Nachgewiesen werden soll in diesen Studien die eindeutige Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Medikamentes in der angestrebten Patientengruppe. Die Studien werden daher kontrolliert und verblindet durchgeführt.

Kontrolliert heißt, dass mit einem bereits zugelassenen Medikament oder aber mit einem Placebo (ohne Wirkstoff) verglichen wird. Einfach verblindet heißt, dass der Patient nicht weiß, ob er das zu untersuchende Medikament oder ein Vergleichsmedikament oder ein Placebo erhält. Doppelt verblindet bedeutet, dass sowohl der behandelnde Arzt oder der Patient keine Kenntnis darüber haben, zu welcher Studiengruppe sie gehören. Auf diese Weise bauen die Teilnehmer keine Erwartungshaltung auf, welche die Studienergebnisse möglicherweise verfälschen könnte. Nur so können wissenschaftlich fundierte, neutrale Ergebnisse erzielt werden.

Sind auch diese Studien erfolgreich, kann die Zulassung zum Markt bei den Behörden beantragt werden. In der Europäischen Union ist dafür die EMA (European Medicines Agency, Europäische Gesundheitsbehörde) zuständig.

Studien nach der Zulassung

Prüfung nach Zulassung unter Alltagsbedingungen

Auch wenn ein Medikament bereits zugelassen ist, beobachten Hersteller und Behörden das neue Medikament weiterhin sehr aufmerksam. Es wird untersucht, wie sich das Präparat unter Alltagsbedingungen bewährt. Eine weitere Option in dieser Phase kann der Vergleich mit einem anderen Präparat sein, oder die Überprüfung, wie sich das Medikament bei speziellen Patientengruppen verhält, wie beispielsweise bei Patienten mit Diabetes oder einer Herzerkrankung.

Die Regularien der Forschungsarbeit

Klinische Studien sind in den meisten Ländern der Welt streng geregelt und folgen einheitlichen Richtlinien, die von der Internationalen Konferenz zur Harmonisierung (englisch „International Conference of Harmonization“ = ICH) erarbeitet wurden. Die Internationale Konferenz für Harmonisierung ist eine weltweit tätige Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, einheitliche Standards für die Durchführung klinischer Studien, für ihre Auswertung und die Handhabung der Sicherheitsaspekte zu regeln.