patientenbotschafterin anja näht mund und nasenschutz masken
patientenbotschafterin anja näht mund und nasenschutz masken

Wenn Alles auf dem Kopf steht – mit Epilepsie in der Coronakrise

Ich kann mich noch gut an einen Tag im Januar erinnern – wir besuchten gerade unsere Tochter in der Schweiz, als ihr Partner von einem abgesagten Flug nach China und der dortigen Coronakrise berichtete. Für uns war das weit weg und wir ahnten noch nicht, dass auch uns 2 Monate später ein Lockdown bevorstehen würde. Doch als es soweit war, schaffte ich es zunächst gelassen zu bleiben.

Natürlich vermisste ich in der nun folgenden Zeit meine Liebsten, meine Kunden und der Abstand zu meiner Familie war schmerzhaft, aber wir leben auf dem Land, haben einen Garten und wirklich keinen Grund zu klagen.

Die ersten größeren Sorgen machte ich mir, als ich ambulant in eine Klinik musste. Die gähnende Leere im gesamten Haus war regelrecht gruselig, das Ausfüllen der Passierscheine seltsam. Bei den Arztbesuchen sah es ähnlich aus. Mein Mann musste draußen bleiben, es gab überall Abstandsmarkierungen und leere Wartezimmer. Letzteres fand ich persönlich angenehm, aber mein Mann fehlte mir bei den wichtigen Arztbesprechungen schon sehr. Seit meiner Epilepsie-Diagnose vor 17 Jahren half er mir einfach meine Vergesslichkeit auszugleichen. Auch wenn meine ärztliche und medikamentöse Versorgung problemlos weiterlief, wurde mir durch diese Besuche bewusst, wie ernst die Lage wirklich war. Und damit begannen die Sorgen. Meine schwangere Tochter und auch mein Sohn sind systemrelevant. Dazu würde auch mein Sohn in wenigen Wochen Vater werden. Was, wenn sie sich anstecken?

patientenbotschafterin anja mit hund im wald

Da negativer Stress bei mir auch Anfälle fördern kann, beschloss ich, die Sorgen in produktivere Maßnahmen zu verwandeln, schrieb einen Epilepsie-Corona Blog und nähte Masken. Nicht wirklich schön, aber bunt. In den Osternestern meiner kompletten Familie lagen nun fröhliche Mundmasken neben Osterhäschen. Umarmungen und Besuche mussten ausbleiben.

Auch als mein erstes Enkelchen zur Welt kam, entfielen diese heiß ersehnten Momente der Nähe. Mein Mann und ich standen vor der Klinik und starrten zu einem Fenster im dritten Stock, wo meine Schwiegertochter das Neugeborene im Arm hielt. Daneben mein glücklicher Sohn, den ich nicht umarmen konnte. Ich werde diesen tränenreichen, bittersüßen Corona-Moment sicherlich niemals vergessen.

An diesem Tag begann ich zu laufen. Gegen meine Anfälle und für meine Gesundheit. Es half mir, früh morgens durch Wald und Felder zu streifen. Der Druck im Kopf fiel dabei regelrecht von mir ab. Nachmittags liefen mein Mann und ich noch eine Stunde mit dem Hund. Wir genossen die gemeinsame Zeit und die Natur. Der Himmel war ohne Kondensstreifen, der Straßenlärm minimiert und im Fernsehen sah man wie die Natur sich erholte. Corona wurde für mich nicht nur zur Belastung, sondern auch zum Umweltfreund. Wir versuchen schon seit längerem nachhaltiger und umweltbewusster zu leben und das schien nun, wenn auch zwangsweise, auf der ganzen Welt stattzufinden.

Natürlich hatte ich auch große Angst mich anzustecken. Zwar hatte ich bei der deutschen Epilepsieliga früh gelesen, dass Epilepsiepatienten nicht zur Risikogruppe gehören, aber ich bin leider auch lungenkrank. Und manche Menschen schienen sich um Abstand nicht im Geringsten zu kümmern, deswegen ging ich nicht einmal mehr einkaufen. Als endlich die Maskenpflicht eingeführt wurde, war ich überaus dankbar, obwohl ich gestehen muss, dass ein EEG mit Maske unbequem und nicht sonderlich erstrebenswert ist.

Wie es Patienten im Krankenhaus geht durfte ich leider auch am eigenen Leib erfahren. Als ich wegen einer Transitorischen Ischämischen Attacke im Rettungswagen behandelt wurde, war mir noch nicht klar, dass mein Mann mich nicht würde besuchen dürfen. Ich war viel zu aufgeregt, um das zu realisieren. Am ersten Tag ging es noch. Ich hing an gefühlt einem Dutzend Schläuche und sowohl Ärzte als auch Schwestern gaben sich die Klinke in die Hand und bei jedem einzelnen Arzt wurde die Epilepsie Medikation thematisiert. Hier wurde aber nichts gegen meinen Willen unternommen, was so auch sein sollte. Ab dem zweiten Tag wurde es stiller um mich herum und die Ruhe drückte – auch auf die Psyche. Wie müsste es den schwer an Covid-19 erkrankten Patienten erst gehen?

patientenbotschafterin anja mit kinderwagen auf feldweg

Doch es ist auch viel Gutes passiert, gerade für die Natur und für das Bewusstsein vieler Menschen. Entschleunigen, Zeit für sich selbst, die Natur wahrnehmen und kreative Projekte umsetzen. All das sind Dinge, die nicht nur mir sehr geholfen haben, mich wieder zu erden und die Gesundheit zu stärken. Auch für die Anfallsbereitschaft können diese Dinge sehr hilfreich sein. Ich wäre sehr dankbar, wenn das so bleiben würde. Ich für mich möchte noch ein wenig daran arbeiten und freue mich auf eine baldige Reise in die Schweiz. Nicht als Touristin, sondern als wieder frischgebackene, junge und überglückliche Omi, die ihr zweites Enkelchen dann hoffentlich sofort im Arm halten darf.

Newsletter

 

Unser kostenloser Epilepsie aktuell Newsletter informiert Sie über Neuigkeiten aus dem Bereich Epilepsie.

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin

War dieser Artikel hilfreich?

Bedingungen

Sie stimmen dem Erhalt des Epilepsie aktuell Newsletter der UCB Pharma GmbH zu. Der Epilepsie aktuell Newsletter wird per E-Mail verschickt und enthält Informationen zu Themen aus dem Bereich Epilepsie.

Ihre personenbezogenen Daten werden ausschließlich für den Zweck der Newsletter-Zusendung durch die UCB Pharma GmbH erhoben,
verarbeitet und genutzt. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt. Zu statistischen Zwecken führen wir anonymisiertes Link-Tracking durch.
Ein Rückschluss auf einzelne Empfänger ist nicht möglich.

Um den Missbrauch von E-Mail-Adressen zu verhindern, müssen Abonnenten die Bestellung unseres Newsletters in einem
automatisierten Prozess per E-Mail bestätigen (Double-Opt-In).

Sie können jederzeit Ihre Einwilligung für die Zusendung des Epilepsie aktuell Newsletter mit Wirkung für die Zukunft unter dieser Adresse oder
dem in jedem Newsletter angegebenen Abmelde-Link widerrufen. Ein Widerruf ist auch
per E-Mail an UCBCares.DE@ucb.com
oder durch Zusendung einer Nachricht an unser Kundenservice-Center UCBCares™, entweder postalisch an:
UCB Pharma GmbH, Alfred-Nobel-Str. 10, 40789 Monheim oder per Telefax an: 02173 48 4841 möglich.

Bedingungen

Sie stimmen dem Erhalt des Epilepsie aktuell Newsletter der UCB Pharma GmbH zu. Der Epilepsie aktuell Newsletter wird per E-Mail verschickt und enthält Informationen zu Themen aus dem Bereich Epilepsie.

Ihre personenbezogenen Daten werden ausschließlich für den Zweck der Newsletter-Zusendung durch die UCB Pharma GmbH erhoben,
verarbeitet und genutzt. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt. Zu statistischen Zwecken führen wir anonymisiertes Link-Tracking durch.
Ein Rückschluss auf einzelne Empfänger ist nicht möglich.

Um den Missbrauch von E-Mail-Adressen zu verhindern, müssen Abonnenten die Bestellung unseres Newsletters in einem
automatisierten Prozess per E-Mail bestätigen (Double-Opt-In).

Sie können jederzeit Ihre Einwilligung für die Zusendung des Epilepsie aktuell Newsletter mit Wirkung für die Zukunft unter dieser Adresse oder
dem in jedem Newsletter angegebenen Abmelde-Link widerrufen. Ein Widerruf ist auch
per E-Mail an UCBCares.DE@ucb.com
oder durch Zusendung einer Nachricht an unser Kundenservice-Center UCBCares™, entweder postalisch an:
UCB Pharma GmbH, Alfred-Nobel-Str. 10, 40789 Monheim oder per Telefax an: 02173 48 4841 möglich.