Symptome der Epilepsie

Die Symptome eines epileptischen Anfalls können sehr unterschiedlich sein. So können bei einem epileptischen Anfall unter anderem Muskelzuckungen, Gefühls-, Bewusstseins- oder Verhaltensstörungen auftreten. Die Auswirkungen können unterschiedlichen Ausmaßes sein, bis hin zu den großen oder „Grand-mal-Anfällen“, bei denen die betroffene Person stürzt und am ganzen Körper krampft und zuckt. Manche Menschen mit Epilepsie berichten von einem Kribbeln oder vorübergehenden Einschränkungen im Seh- und Sprachvermögen. Entscheidend für die Symptomatik sind sowohl der Ausgangsort des epileptischen Anfalls als auch seine weitere Ausbreitung im Gehirn.

menschliches gehirn illustration mit punkten

Ein epileptischer Anfall kann wenige Sekunden bis zu einigen Minuten andauern. Der Großteil der Anfälle endet jedoch meist innerhalb von zwei Minuten. Ausführliche Informationen über Symptome sind in den Kapiteln fokale Epilepsie und generalisierte Epilepsie zu den einzelnen Anfallsarten beschrieben. Die Einteilung eines epileptischen Anfalls in verschiedene Abschnitte wird im Kapitel Phasen eines epileptischen Anfalls beschrieben.

Individuelle Warnzeichen für Epilepsie

Manchmal nur wenige Sekunden, manchmal Stunden oder Tage vor einem Anfall verspüren die Betroffenen Veränderungen oder Empfindungen, die auf einen kommenden Anfall hinweisen. Je nach Zeitpunkt und Art dieser Vorahnungen werden diese in Prodromi und Auren unterschieden.

Prodromi

Prodromi sind eher unbestimmte Vorahnungen, die Stunden bis Tage andauern können. In dieser Phase können Stimmungsschwankungen, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit, Ruhe- und Rastlosigkeit oder Konzentrations- und Schlafstörungen auftreten.

 

Auren

Aura, was aus dem Griechischen übersetzt so viel wie ,,Hauch“ bedeutet, ist bereits seit fast 2000 Jahren ein medizinischer Begriff. Seit den Zeiten des antiken Arztes und Anatomen Galen (ca. 100 nach Chr.) bezeichnen Ärztinnen und Ärzte alle den Anfall ankündigenden Empfindungen als Auren. Auren kommen nur bei fokalen Anfällen vor.
Im Gegensatz zu Prodromi dauern Auren meist nur wenige Sekunden. Sie gelten selbst schon als fokaler Anfall ohne Bewusstseinsstörung, der aber häufig in einen fokalen Anfall mit Bewusstseinsstörung übergehen kann.
Eine Aura kann ganz unterschiedlich wahrgenommen werden, je nachdem, welcher Bereich des Gehirns von den Anfällen betroffen ist. Betroffene beschreiben eine Aura individuell mit sehr unterschiedlichen Empfindungen, z. B.:

  • visuelle Wahrnehmungen, wie Licht, Flecken, blinkende Punkte oder Muster
  • seltsame Gefühle im Magenbereich
  • Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen
  • emotionale Empfindungen, wie Angst- oder Glücksgefühle
  • psychische Wahrnehmungen, wie Illusionen (Déjà-vu-Erlebnisse, verzerrte Raum- oder Zeitwahrnehmungen) und Halluzinationen (Erinnerungswahrnehmungen, Flashbacks, Vergangenheitsträume, Erscheinungen von Gesichtern, Objekten, Szenen oder Musik)

Phasen eines epileptischen Anfalls

Ein epileptischer Anfall dauert meist nicht länger als zwei Minuten. Manchmal kündigt sich dieser jedoch bereits Tage zuvor durch unterschiedliche Beschwerden (z. B. Kopfschmerzen, Schwindel, Reizbarkeit) an. Ein Anfall gliedert sich in drei Phasen, die Experten wie folgt definieren:

  • Iktal (Zeitraum während eines Anfalls)
  • Postiktal (Zeitraum nach einem Anfall)
  • Interiktal (Zeitraum zwischen Anfällen)

Die iktale Phase​

Die iktale Phase beschreibt den Zeitraum während eines Anfalls. Während dieser Zeit findet eine intensive elektrische Aktivität im Gehirn statt; diese kann mithilfe von medizinischen Geräten, wie EEG (Elektroenzephalographie) gemessen werden. Die Veränderungen geben dabei Neurologen wichtige Hinweise auf die Art und den Ursprungsort des Anfalls.

Die postiktale Phase

Als postiktale Phase oder Nachphase bezeichnet man den Zeitraum nach dem eigentlichen Anfall; sie kann – vor allem bei älteren Patienten – 24 Stunden und länger andauern. Auch wenn der eigentlich Anfall bereits abgeklungen ist, kommt es während der postiktalen Phase zu Beschwerden wie z. B. Sprach- und Gedächtnisstörungen, Lähmungen, aber auch psychischen Störungen wie beispielsweise Depressionen.

Die interiktale Phase

Die interiktale Phase bezeichnet den Zeitraum nach der postiktalen Phase und vor dem nächsten Anfall. In dieser Phase werden Leistungsfähigkeit und Verhalten der Betroffenen vorwiegend durch die Ursache der jeweiligen Epilepsie geprägt. Häufig treten bei Epilepsie-Patient:innen Depressionen oder Angsterkrankungen auf. Bei Patient:innen mit einer sogenannten Temporallappen-Epilepsie kommt es in der interiktalen Phase zu Gedächtnisstörungen.

DE-N-DA-EPI-2100017          Aktualisierung: Juni 2022