Auftreten in Abhängigkeit vom Alter

Anfälle und Epilepsien treten nicht in jedem Lebensalter gleich oft auf, sondern häufen sich in bestimmten Lebensabschnitten. So treten Epilepsien häufiger in den ersten Lebensjahren und dann wieder nach dem 60. Lebensjahr auf. Dabei nimmt die Erkrankungswahrscheinlichkeit bei älteren Menschen mit steigendem Alter zu.

abbildung häufigkeit von epilepsie abhängig vom alter
Mod. nach Baumgartner C, Pirker S, Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2012; 13(2): 64-80

Warum bestimmte epileptische Anfallsarten und Syndrome gehäuft in jungen Jahren oder in späteren Lebensabschnitten auftreten ist nicht vollständig geklärt. Das Abklingen von Anfällen kann im Zusammenhang mit der Entwicklung und dem Alter stehen, so gibt es genetische und idiopathische Epilepsieformen, bei denen bekannt ist, dass die Anfälle nach der Pubertät auch ohne Behandlung verschwinden. Wahrscheinlich besteht hierbei ein Zusammenhang mit der Hirnreifung.

Bei der oft im jugendlichen Alter auftretenden Temporallappenepilepsie wird ein Zusammenhang mit im Kindesalter aufgetretenen Fieberkrämpfen vermutet. Nicht ausreichend geklärt ist, inwieweit die Fieberkrämpfe die Ursache für die sich später entwickelnde Epilepsie sind. So hatten ein bis zwei Drittel aller Patient:innen mit einer Temporallappenepilepsie in ihrer Kindheit einen lange andauernden Fieberkrampf. Ob aber die Fieberkrämpfe tatsächlich Ursache der späteren Epilepsie sind oder ob eine gemeinsame, möglicherweise genetische Ursache sowohl die lange dauernden Fieberkrämpfe als auch die Temporallappenepilepsie verantwortet, ist bislang nicht bekannt.

Zu den Epilepsien, die nur im Kindesalter auftreten, gehören beispielsweise Neugeborenenanfälle, Abscence-Epilepsien des Kindesalters und Rolando-Epilepsie.

Epilepsie im fortgeschrittenen Alter

Bei einem Drittel aller von Epilepsie betroffenen Menschen setzt die Erkrankung nach dem 60. Lebensjahr ein. Epilepsie ist nach den Demenzen (beispielsweise der Alzheimer-Krankheit) und Schlaganfällen die dritthäufigste Erkrankung des Nervensystems in höherem Alter.

Bei älteren Patienten werden epileptische Anfälle häufig nicht erkannt und als Verwirrtheit, Gedächtnisstörungen oder Schwindel eingeordnet. Eine kurze Störung des Bewusstseins mit starrem Blick und nachfolgender Verwirrung ist manchmal das einzige Zeichen eines epileptischen Anfalls.

Durchblutungsstörungen des Gehirns, zu denen auch Schlaganfälle zählen, sind die häufigsten Ursachen von epileptischen Anfällen bei älteren Menschen. Demenzerkrankungen, Hirntumore und Schädel-Hirn-Traumen sind andere häufige Ursachen. Bei bis zur Hälfte der Betroffenen kann die Ursache nicht gefunden werden.

aeltere frau mit brille in der hand

Ein Schlaganfall erhöht das Risiko für epileptische Anfälle innerhalb eines Jahres um mehr als das 20-fache im Vergleich zur Normalbevölkerung. Bei den meisten Durchblutungsstörungen sind nur Teile des Gehirns betroffen. Aus diesem Grund handelt es sich somit bei den damit im Zusammenhang stehenden Anfällen normalerweise um fokal entstehende Anfälle.
Im Alter auftretende epileptische Anfälle können gut mit Antiepileptika behandelt werden, aber es sind einige Besonderheiten zu beachten. So beeinflussen physiologische Alterungsprozesse die Verstoffwechselung der Antiepileptika und bei der Dosierung ist eine mögliche verminderte Funktion der Leber und Nieren zu bedenken. Hinzu kommt, dass bei vielen Betroffenen aufgrund weiterer Erkrankungen häufig auch andere Medikamente eingenommen werden. Dadurch steigt das Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen der Medikamente untereinander.

Die optimale Behandlung der Epilepsie erfordert bei allen Betroffenen eine sorgfältige Abstimmung des Antiepileptikums und seiner Dosierung auf die individuellen Bedürfnisse. Das gilt in besonderem Maße für ältere Patient:innen.