Ursachen von Epilepsieformen

Die möglichen Ursachen einer epileptischen Erkrankung sind sehr vielfältig. Sie reichen von genetischen Veranlagungen über verschiedene Stoffwechselerkrankungen, angeborene und erworbene Gehirnfehlbildungen/-schäden, Folgen von Entzündungen oder Traumen bis hin zu Hirntumoren und vielen weiteren Ursachen. Bislang hatte man die Ursachen in genetische, strukturell-metabolische und darüber hinaus noch unbekannte Ursachen eingeteilt.

Nach einem Vorschlag der Internationalen Liga gegen Epilepsie (ILAE) von 2017 werden die Ursachen von Epilepsien wie folgt unterteilt:

Übersicht über die Einteilung der Ursachen von Epilepsie

Eine Epilepsie kann jedoch auch mehrere Ursachen (Ätiologien) haben und so gibt es beispielsweise auch genetisch-strukturelle Epilepsien.

Strukturelle Ursachen

Strukturelle Veränderungen im Gehirn werden mit Hilfe einer MRT-Untersuchung festgestellt. Sie können z. B. infolge eines Schlaganfalls, eines Tumors oder einer Entzündung im Gehirn entstehen. Weitere mögliche Ursachen können Stoffwechselstörungen, Hirnschädigungen durch Blutungen, Hirnverletzungen durch Traumen, Vergiftungen und Geburtskomplikationen sein.

Genetische Ursachen

Genetische Epilepsien sind nach derzeitigem Stand des Wissens auf vermutete oder bekannte genetische Faktoren zurückzuführen. Es ist wichtig zu betonen, dass „genetisch“ nicht dasselbe bedeutet wie „vererbt“, da neu auftretende Modifikationen nicht ungewöhnlich sind.

Bei genetischen Epilepsien weisen die Betroffenen meist eine herabgesetzte Schwelle für das Auftreten epileptischer Anfälle auf. Unter bestimmten provozierenden Umständen, wie beispielsweise Schlafentzug, Fieber, Alkoholentzug, Alkohol- oder Drogenexzesse, oder auch Flimmerlicht neigen diese Patienten dazu, mit einem Anfall zu reagieren.
Zu beachten gilt, dass das Risiko, Epilepsie zu vererben, niedriger ist als dies häufig vermutet wird. Selbst wenn beide Elternteile erkrankt sind, liegt das Risiko für Kinder bei nur zehn bis 15 Prozent. Sechs von sieben Kindern kämen somit gesund zur Welt. An Epilepsie erkrankte Paare sollten diese Zahlen im Hinterkopf behalten und ihren Kinderwunsch nicht aufgrund ihrer Erkrankung direkt verwerfen. Grundsätzlich wird bei der vererbten Form nicht die Epilepsie vererbt, sondern die Neigung zu epileptischen Anfällen.

Infektiöse Ursachen

Infektionen sind weltweit die häufigste Ursache für Epilepsien. In bestimmten Regionen der Welt gehören zu den häufigen infektiösen Ursachen Tuberkulose, HIV, zerebrale Malaria und kongenitale Infektionen mit dem Zika- oder Zytomegalievirus.

Immun-vermittelte Ursachen

Bei  immunologisch bedingter Epilepsie sind die Krampfanfälle die direkte Folge einer Immunerkrankung. Schwere fokale Epilepsien können beispielsweise von chronischen Entzündungen des Gehirns durch Autoimmunerkrankungen verursacht sein. Beispiele für immunologische Epilepsien sind die limbische Enzephalitis und die NMDA-Rezeptor-Antikörper-assoziierte Enzephalopathie wobei NMDA für N-Methyl-D-Aspartat steht. Die Ursache der Rasmussen-Enzephalitis ist nicht vollständig geklärt, es wird aber vermutet, dass eine chronische Hirnentzündung – hervorgerufen durch eine Autoimmunreaktion – die Ursache ist. Die Diagnosemöglichkeiten für Autoimmunerkrankungen werden immer besser, insbesondere aufgrund verbesserter Antikörpertests.

Metabolische Ursachen

Eine Reihe von Stoffwechselstörungen sind mit Epilepsie verbunden. Bei einer metabolischen Epilepsie wird davon ausgegangen, dass sie direkt von einer bekannten oder vermuteten Stoffwechselstörung ausgeht und Krampfanfälle das Hauptsymptom dieser Erkrankung sind. Metabolische Ursachen können bekannte Stoffwechseldefekte oder biochemische Veränderungen im ganzen Körper sein, wie beispielsweise eine Störung des Abbaus des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin) oder der Nierenfunktion.

Man geht davon aus, dass die meisten metabolischen Epilepsien eine genetische Basis haben. Einige können aber auch erworben werden, wie u. a. der zerebrale Folatmangel. Die Identifizierung von spezifischen metabolischen Ursachen einer Epilepsie ist sehr wichtig, da bei einer bekannten Ursache spezifische Therapien eingeleitet werden können und so etwaigen intellektuellen Beeinträchtigungen vorgebeugt werden kann.

Unbekannte Ursachen

Bei einer weiteren Gruppe von Epilepsien kennt man die Ursachen noch nicht. Sie werden als Epilepsien unbekannter Ursache bezeichnet. Bei den betroffenen Patienten lässt sich auch nach gründlichster diagnostischer Aufarbeitung keine eindeutige Ursache feststellen. Dies ist zwar für die Betroffenen besonders unbefriedigend, dennoch ist eine erfolgreiche Behandlung in vielen Fällen möglich.