Epilepsie ansprechen

Die Frage nach dem offenen Umgang mit der Erkrankung beschäftigt nicht nur Menschen, die ihren ersten Anfall erlitten oder vor kurzem die Diagnose bekamen. Auch im Verlauf der Krankheit, bei Veränderungen wie einer neuen Partnerschaft, einer Bewerbung oder einer neuen Job-Situation fragen sich Epilepsie-Patienten, mit wem sie zu welchem Zeitpunkt wie offen über ihre Erkrankung reden sollen.

In manchen Situationen besteht die Verpflichtung, die Epilepsie anzugeben, auch wenn nicht danach gefragt wird. Dies ist zum Beispiel der Fall beim Abschluss einer Lebensversicherung oder privaten Krankenversicherung sowie bei der Übernahme in ein Beamtenverhältnis oder der Approbation als Mediziner.

Viele Menschen mit Epilepsie haben Ängste, über ihre Erkrankung zu sprechen. Dies kann auf schlechten Erfahrungen basieren oder dem Wissen über die bis heute vorhandenen Vorurteile gegenüber Epilepsie. Inwieweit es dennoch notwendig ist, offen mit der Epilepsie umzugehen, ist auch von der Anfallsform und -häufigkeit abhängig. Das Ansprechen der Epilepsie gegenüber dem Partner, Freunden, Arbeitskollegen, Kommilitonen oder Bekannten aus dem Umfeld wie Sportvereinen oder Reisegruppen kann von Vorteil sein, wenn der Epilepsie-Patient nicht anfallsfrei ist oder mit Einschränkungen leben muss und deshalb auf ein gewisses Verständnis und Rücksichtnahme durch seine Mitmenschen angewiesen ist. Darüber hinaus mindert es die Last, die Krankheit zu verheimlichen, die Angst, entdeckt zu werden, und die Gefahr, dass bei einem Anfall nicht sachgemäß reagiert wird.

Information baut Vorurteile ab

Oft ist das Umfeld eines Menschen mit Epilepsie dankbar für einen offenen Umgang, der mit einer Information über Epilepsie und das individuelle Krankheitsbild einhergeht. Durch ein Verständnis der Krankheit und Anfälle werden Ängste und Vorurteile abgebaut, die durch fehlende Aufklärung oder das unvorbereitete Miterleben eines Anfalls entstehen können.

Viele Epilepsie-Patienten müssen erst lernen, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen. Dies liegt an den Risiken, die damit verbunden sind. Es kann sein, dass sich ein neuer Partner trennt, Freunde entfernen oder einem Bewerber eine Absage erteilt wird, wenn der Personalchef von der Erkrankung weiß.

In der Gesellschaft verändert sich die Einstellung gegenüber Menschen mit Epilepsie positiv und Betroffene machen immer weniger negative Erfahrungen bei einem offenen Umgang mit ihrer Erkrankung. Während Ende der 60er Jahre noch ein Drittel der Bevölkerung dachte, dass es sich bei Epilepsie um eine Geisteskrankheit handelt und sich ein Viertel gegen eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt aussprach, sind beide Zahlen inzwischen auf etwa 10 Prozent gesunken Dies ist vor allem der zunehmenden Aufklärung der Bevölkerung zu verdanken und den Menschen, die sich offen für die Interessen von Epilepsie-Patienten einsetzen.

Nur auf diese Weise können Menschen begreifen, dass Epilepsie eine ernste Krankheit ist, aber die Anfälle gefährlicher wirken, als sie sind und es den meisten Betroffenen möglich ist, ein ganz normales Leben inmitten der Gesellschaft zu führen. Epilepsie kann Menschen jeden Alters, jeder Herkunft und jeder sozialen Zugehörigkeit treffen und der offene Umgang jedes einzelnen Patienten trägt dazu bei, Vorurteile und Ängste in der Gesellschaft abzubauen.

Was mitteilen?

Bei Ansprache der Epilepsie ist mit unterschiedlichen Reaktionen zu rechnen, die vor allem vom Wissensstand des Gegenübers abhängen. Während einige Menschen schon etwas über das Krankheitsbild wissen oder jemanden kennen, der ebenfalls Epilepsie hat, begegnen andere dem Thema zum ersten Mal. Es ist also ratsam, zunächst einmal herauszufinden, inwieweit der Gesprächspartner über Epilepsie Bescheid weiß und ob eventuelle Fehlinformationen vorliegen.

Für ein Erstgespräch über Epilepsie kann sich an folgendem Leitfaden orientiert werden:

Nur Mut

Es ist absolut verständlich, dass es für Menschen mit Epilepsie noch immer schwer ist, die Erkrankung offen anzusprechen. Oftmals kann es dauern, bis sich Epilepsie-Patienten mit ihrer Krankheit soweit auseinandergesetzt haben, dass sie offen über die Erkrankung sprechen können.

Obgleich ein Leben mit Epilepsie immer wieder Hürden und Einschränkungen mit sich bringt, ist die Krankheit bei fachgerechter Behandlung in der Regel gut kontrollierbar und medikamentös einstellbar. Es gilt: „Fast alles ist möglich!“ Das Leben der meisten Menschen mit Epilepsie unterscheidet sich auf lange Sicht kaum von dem ihrer Mitmenschen ohne Epilepsie. Ein offener Umgang kann dabei helfen, Ängste zu lösen, Selbstvertrauen zu gewinnen und sich in der Öffentlichkeit und im Beisein anderer Menschen sicherer zu fühlen.