Epilepsie und Ausbildung & Studium

Junge Menschen mit Epilepsie träumen wie ihre Altersgenossen von Berufen, die ihren Begabungen und Interessen entsprechen. Grundsätzlich können Heranwachsende mit Epilepsie fast alle Ausbildungen und Studiengänge absolvieren. Die Anfallsform und Anfallshäufigkeit gibt den Rahmen vor, ob einige Berufe mit Epilepsie nicht in Frage kommen. Tätigkeiten als Pilot, Polizist, Dachdecker, Kraftfahrer und weitere Berufe, bei denen das eigene oder das Leben anderer durch Anfälle gefährdet werden können, zählen hierzu.

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Eine Ausbildung oder ein Studium ist nicht nur für die Bildung und spätere Lebenssicherung junger Menschen von Bedeutung. Mit angemessener Förderung ist ein Leistungsniveau zu erreichen, das den Betroffenen ein selbständiges Leben ermöglicht und nicht zuletzt das Befinden und Wohlgefühl in diesem Lebensabschnitt beeinflusst.

Es ist wichtig, Kinder und Jugendliche mit ihren Fragen und Sorgen bezüglich ihrer Zukunft und der Berufswahl nicht allein zu lassen, sondern sie auch bei der Berufswahl zu unterstützen und auf Wunsch zu begleiten. Neben den Berufsberatungen der Arbeitsagenturen kann es hilfreich sein, einen gemeinsamen Termin mit einem Neurologen und einem Epilepsieberater des Netzwerks für Epilepsie und Arbeit (NEA) der bundesweiten Epilepsieberatungsstellen auszumachen, um die beruflichen Wünsche im Hinblick auf die individuelle Epilepsie abzuklären. Darüber hinaus kann gemeinsam die Frage nach dem offenen Umgang mit der Erkrankung bei einer Bewerbung oder Aufnahme einer Arbeit, Ausbildung oder Studium erörtert werden.

Nach Aufnahme einer Ausbildung ist es ratsam, in Absprache mit dem TEA-Berater das Gespräch mit dem Arbeitgeber, Vorgesetzten, Betriebsarzt oder Personalleiter zu suchen und eine individuelle Schulung der Mitarbeiter durch das TEA oder Begehung des Arbeitsplatzes und eine Gefährdungsberatung durch das Projekt Teilhabe Epilepsie Arbeit (TEA) abzuwägen. Auf Anfrage nehmen die Epilepsieberatungsstellen und Mitglieder des TEA an Informationsgesprächen mit dem Arbeitgeber teil. Regionale Ansprechpartner des TEA sind auf der Webseite gelistet.

Menschen mit Epilepsie haben wie alle anderen das Recht auf freie Studienwahl. Ob und inwieweit sich die eigene Erkrankung, Anfallsform und -häufigkeit auf den späteren Beruf auswirkt, sollte auch bei der Wahl des Studiums berücksichtigt werden. So kann es für einen Mediziner später Probleme mit der ärztlichen Zulassung geben, wenn die Epilepsie eine Gefahr für Patienten darstellt. Dass man auch mit Epilepsie Karriere machen kann, zeigt die Deutsche Epilepsievereinigung (DEV) anhand einer Broschüre mit Interviews von Akademikern mit Epilepsie.

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Vor der Bewerbung auf Studiengänge mit besonderen Zugangsvoraussetzungen wie einem Numerus Clausus ist es ratsam, den Behindertenbeauftragten der jeweiligen Universität zu kontaktieren. Das Studentenwerk listet die Ansprechpartner der jeweiligen Hochschulen und ist der übergeordnete Träger der Behindertenbeauftragten.

Diese können hinsichtlich verschiedener Nachteilsausgleiche wie einem Härtefallantrag informieren, der chronisch kranke und behinderte Menschen unabhängig von ihrer Abschlussnote und ohne Wartezeit zum Studium zulassen kann. Darüber hinaus können Nachteilsausgleiche in Betracht gezogen werden, wie eine Verbesserung der Durchschnittsnote oder Verkürzung der Wartezeit aufgrund schlechterer Leistungen infolge von langer Krankheit, häufigen Ausfällen oder der gesundheitlich bedingten Wiederholung eines Schuljahres.

Die Chancen auf einen Studienplatz können durch Sonderanträge nur verbessert werden. Wird ein Antrag abgelehnt, nimmt der Bewerber automatisch am üblichen Zulassungsverfahren teil.

Das Hochschulrahmengesetz schreibt den Universitäten vor, dass behinderte und chronisch kranke Studierende nicht benachteiligt werden dürfen, Zugang zu den Angeboten der Universität haben müssen und in den Prüfungsordnungen berücksichtigt werden müssen.

Wenn die Epilepsie eine Beeinträchtigung mit sich bringt, die sich auf die Teilnahme an Prüfungen auswirkt, ist es ratsam, sich zu Beginn des Studiums beim Behindertenbeauftragten über Nachteilsaugleiche zu informieren. Dazu gehören unter anderem Schreibzeitverlängerungen bei Klausuren, zusätzliche Ruhepausen, Berücksichtigung der Krankheitszeiten oder der eingeschränkten Leistungsfähigkeit bei Fristen, eine Anpassung der Anwesenheitspflicht oder Bereitstellung von Assistenz.

Im Handbuch „Studium und Behinderung“ der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) finden sich darüber hinaus Informationen bezüglich Themen wie Studienassistenz, Eingliederungs- und Integrationshilfen, Finanzierung, Versicherung und Auslandsstudium.