Erste Hilfe bei Epilepsie

Viele Menschen erschrecken sich, wenn sie erstmalig einen sogenannten großen Krampfanfall („Grand mal“) sehen und wissen nicht, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem epileptischen Anfall zu ergreifen sind. Bewahren Sie Ruhe und verfallen Sie nicht in Panik oder Übersprunghandlungen, wenn Sie Zeuge eines Anfalls werden. Auch wenn ein sogenannter generalisierter tonisch-klonischer Anfall bedrohlich anmutet, hört der Anfall in den meisten Fällen von selbst wieder auf und schädigt das Gehirn nicht. Die Hilfsmaßnahmen, welche man sinnvoll ergreifen sollte, dienen lediglich dazu, mögliche anfallsbedingte Verletzungen zu vermeiden.

Dauert ein Anfall länger als fünf Minuten oder treten mehrere Anfälle in kurzen Zeitabständen hintereinander auf, sollten Sie einen Krankenwagen rufen. Ansonsten müssen Sie nur einen Arzt oder Rettungswagen rufen, wenn Verletzungen oder Komplikationen durch den Sturz aufgetreten sind.

rucksack mit erste hilfe kreuz

Falls der Betroffene oder eine Aura den Anfall ankündigen, wie durch einen starren Blick, helfen Sie ihm, sich unverzüglich auf ein Sofa, Bett oder den Boden zu legen. Schützen Sie den Kopf, indem Sie etwas Weiches, wie ein Kissen oder eine Jacke unter den Kopf legen. Falls der Betroffene ohne Ankündigung umfällt, entfernen Sie ihn unverzüglich aus einer möglichen Gefahrenzone (Straße, Schienen, Wasser, offenes Feuer, Berghang, etc). Greifen Sie hierfür um seinen Oberkörper und vermeiden Sie, ihn an Armen oder Beinen wegzuziehen, da dies zu Verletzungen führen kann. Sobald ein Anfall begonnen hat oder der Betroffene ihn angekündigt, ist es unmöglich diesen aufzuhalten, zu unterbrechen oder frühzeitig zu beenden.

Entfernen Sie gefährliche Gegenstände wie kleinere Möbelstücke sowie heiße, spitze, scharfe oder harte Gegenstände, an denen sich der Betroffene während des Krampfens verletzen könnte. Nehmen Sie ihm, sofern notwendig, vorsichtig Scheren, Messer, Stifte oder Ähnliches aus der Hand und setzen Sie ihm gegebenenfalls die Brille ab. Dies darf aber niemals mit Gewalt geschehen.

Versuchen Sie nicht, den Betroffenen festzuhalten oder den Anfall zu unterbrechen.

Stecken Sie dem Betroffenen unter keinen Umständen etwas zwischen die Zähne, da dies in der Regel zu größeren Verletzungen führen kann als ein vermeintlicher Zungenbiss.

Bringen Sie den Betroffenen nach Abklingen des Anfalls in die stabile Seitenlage, um ihm das Atmen zu erleichtern und zu vermeiden, dass Speichel oder Erbrochenes in die Luftröhre und Lunge gelangen. Lockern Sie gegebenenfalls Kleidungsstücke wie Krawatte oder Schal des Betroffenen um den Hals herum.

Ein Krampfanfall in der Öffentlichkeit stellt ein besonders unangenehmes Erlebnis dar. Vor allem, wenn danach Schaulustige um einen herumstehen. Versuchen Sie im Interesse des Betroffenen die Situation mit wenigen Menschen zu bewältigen und schirmen Sie den Betroffenen so gut wie möglich ab.

Bleiben Sie nach dem Anfall bei der Person und sprechen Sie diese an. Es kann etwas dauern, bis der Betroffene wieder ansprechbar und orientierungsfähig ist. Sprachprobleme oder Verwirrtheit sind übliche Nachwirkungen. Warten Sie, bis die Person sich gesammelt und orientiert hat und bieten Sie ihr Hilfe an. Bringen Sie den Betroffenen beispielsweise zu einer Sitzgelegenheit oder organisieren Sie die Heimfahrt. Fragen Sie die betroffene Person, ob ein Angehöriger oder ein Krankenwagen angerufen werden soll.

In diesem Kurzfilm der Schweizerischen Epilepsie-Liga erfahren Sie mehr über das richtige Verhalten in Anfallssituationen.

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Neben den beschriebenen Grand-mal-Anfällen gibt es viele weitere Anfallsformen.

Bei fokalen Anfällen mit Bewusstseinsstörung, auch komplexe fokale, psychomotorische Anfälle genannt, wirken die Betroffenen in der Regel verwirrt und es kommt zu unbewusst ablaufenden Bewegungen und Handlungen („Automatismen“). Bei diesen Anfallstypen kommt es meist zu keinem Sturz oder Umfallen und die Betroffenen verletzen sich äußerst selten. Bitte bewahren Sie auch in diesem Fall die Ruhe, und lassen Sie die Betroffenen nicht allein. Sie können versuchen, vorsichtig gefährliche Gegenstände aus der Hand zu nehmen und den Betroffenen von Gefahrenzonen fernzuhalten oder wegzulenken. Gehen Sie hierbei sanft vor, da Betroffene während eines solchen Anfalles mit Unmutsäußerungen und Abwehr reagieren können. Bleiben Sie nach dem Ende des Anfalls bei der Person und bieten Sie ihre Hilfe an, bis sie sich wieder erholt hat.

Anfälle, die nur wenige Sekunden dauern und ohne Bewusstseinsverlust einhergehen, heißen Absencen. Die Betroffenen wirken abwesend, sind nicht ansprechbar und können sich anschließend häufig nicht an den Anfall erinnern. Da die Anfälle von kurzer Dauer sind und in der Regel keine Verletzungsgefahr besteht, ist es lediglich wichtig, den Betroffenen nicht allein zu lassen. Falls es zu einer Erinnerungslücke kommt, ist es wichtig, den Betroffenen über den Anfall zu informieren.