Epilepsie und Schwerbehinderung

Der Schwerbehindertenausweis richtet sich an Menschen, die aufgrund von Einschränkungen körperlicher, geistiger oder seelischer Art in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigt sind. Menschen mit einer Epilepsie haben folglich grundsätzlich die Möglichkeit, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Durch einen Schwerbehindertenausweis haben Menschen mit Epilepsie Zugang zu Nachteilsausgleichen, die aufgrund geistiger, seelischer oder körperlicher Einschränkungen beispielsweise in Hinblick auf die Mobilität, Freizeitgestaltung oder den Arbeitsplatz entstehen.

Der Schwerbehindertenstatus hat allerdings nicht nur Vorteile, sondern kann auch Nachteile mit sich bringen, insbesondere bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz. Die Vor- und Nachteile sollten daher abhängig von der jeweiligen Lebenssituation sorgfältig abgewogen werden. Eine Beratung durch eine Epilepsie-Beratungsstelle, Epilepsie-Ambulanz (http://www.izepilepsie.de/home/index,id,44,selid,92,type,VAL_MEMO.html) oder die PatientenInnenstelle der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAGP, http://www.bagp.de/)
kann bei der Entscheidungsfindung helfen

Wann liegt eine Schwerbehinderung vor?

icons schwerbehinderung

Eine Schwerbehinderung liegt bei einem Grad der Behinderung (GdB) oder Grad der Schädigungsfolgen (GdS) von mindestens 50% vor. Bei der Beurteilung des GdB spielt die Anfallssituation eine wesentliche Rolle (siehe Tabelle). Aber auch bei Anfallsfreiheit rechtfertigt die Notwendigkeit von antiepileptischen Medikamenten noch einen GdB von 30%. Erst nach 3 Jahren Anfallsfreiheit ohne Medikamente besteht in der Regel kein Anspruch mehr auf einen Behindertenstatus. Begleiterkrankungen oder hirnorganische Schädigungen fließen in die Beurteilung des GdB mit ein.

Anfallshäufigkeit (zu den Anfallsformen) Grad der Behinde­rung
sehr selten (generalisierte und komplex-fokale Anfälle mit Pausen von mehr als einem Jahr, einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Monaten) 40%
selten (generalisierte und komplex-fokale Anfälle mit Pausen von Monaten, einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Wochen) 50 – 60%
mittlere Häufigkeit (generalisierte und komplex-fokale Anfälle mit Pausen von Wochen, einfach-fokale Anfälle mit Pausen von Tagen) 60 – 80%
häufig (generalisierte und komplex-fokale Anfälle wöchentlich oder Serien, kleine und einfach-fokale Anfälle täglich) 90 – 100%

Vorteile des Schwerbehindertenstatus

frau im rollstuhl im business look

Ein wesentlicher Vorteil eines Schwerbehindertenausweises ist der besondere Kündigungsschutz bei einem bestehenden Arbeitsverhältnis. Der Arbeitgeber kann einem schwerbehinderten Arbeitnehmer nur dann kündigen, wenn das Integrationsamt zugestimmt hat.

Ferner stellt der Ausweis quasi die Zugangsberechtigung für folgende Nachteilsausgleiche dar:

  • Steuerliche Vergünstigungen
  • Mehrarbeit (mehr als 48 Stunden pro Woche) kann abgelehnt werden
  • Zusatzurlaub (5 Tage zusätzlicher bezahlter Urlaub)
  • Der Arbeitgeber kann finanzielle Unterstützung durch das Integrationsamt erhalten
  • Vergünstigungen im Nahverkehr
  • Ermäßigte Eintrittsgelder
  • Beim Merkzeichen B Anrecht auf das Mitführen einer Begleitperson

Nachteile des Schwerbehindertenstatus

graffiti dont stereotype me

Das Vorliegen einer Schwerbehinderung muss beim Arbeitgeber wahrheitsgemäß angegeben werden. Viele Arbeitgeber schrecken aufgrund des besonderen Kündigungsschutzes davor zurück, Menschen mit einer Schwerbehinderung einzustellen. Bei Jugendlichen, die nach der Ausbildung in das Berufsleben einsteigen wollen, kann der Schwerbehindertenausweis die Suche nach einem Arbeitsplatz erheblich erschweren. Daher sollte je nach Lebenssituation abgewogen werden, ob die Vor- oder Nachteile des Schwerbehindertenstatus überwiegen.

Wo und wie wird der Schwerbehindertenausweis beantragt?

Antragsformulare für den Schwerbehindertenausweis gibt es beim Integrationsamt (früher Versorgungsamt) oder der zuständigen Kommunalverwaltung. Online-Hilfe zur Beantragung und zum Finden der länderspezifischen Behörde finden Sie hier: www.einfach-teilhaben.de/DE/AS/Ratgeber/01_Schwerbehindertenausweis/Schwerbehindertenausweis_node.html. Auch können Mitarbeiter von Epilepsie-Ambulanzen oder Epilepsie-Beratungsstellen bei der Antragstellung behilflich sein. Das Versorgungsamt oder die nach Landesrecht zuständige Behörde ermittelt den Grad der Behinderung. Neben dem ausgefüllten Antrag sollten ausführliche Beschreibungen der Anfallssituation, ausgestellt durch den behandelnden Arzt und auch durch den Betroffenen, beigelegt werden.