Epilepsie und Versicherungen

Haftpflichtversicherung

Wenn bei einem epileptischen Anfall Schäden entstehen, fragen sich viele Patienten und Geschädigte, wer dafür haftet. Zum Schadensersatz ist nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch verpflichtet, wer vorsätzlich oder grob fahrlässig die Gesundheit eines anderen Menschen oder fremdes Eigentum schädigt.

Dies trifft in der Regel bei einem epileptischen Anfall und den daraus resultierenden Schäden nicht zu. Der Grund dafür ist, dass die Person, die einen epileptischen Anfall erleidet, dabei bewusstlos ist oder ihre Bewegungen nicht kontrollieren kann. Deshalb kann meist kein Vorwurf des Vorsatzes oder der groben Fahrlässigkeit abgeleitet werden.

Falls jedoch Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz als Ursache von Anfällen nachzuweisen ist, kann der Betroffene zumindest theoretisch für anfallsbedingte Schäden haftbar gemacht werden. Ein Beispiel dafür liegt vor, wenn es zu einem Autounfall kommt trotz bekannter Fahruntauglichkeit. Dieses Verhalten wird von den Gerichten in der Regel als fahrlässig eingestuft und in solchen Fällen können trotz Schadensübernahme durch die eigene Haftpflichtversicherung strafrechtliche Maßnahmen eingeleitet werden.

Krankenversicherung

Seit dem 01.01.2009 gilt in Deutschland die Krankenversicherungspflicht, die alle Personen umfasst. Bei einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden Menschen mit Epilepsie oder anderen chronischen Erkrankungen oder Behinderungen nicht anders behandelt als andere Mitglieder. Das bedeutet, dass sich die Erkrankung weder auf den Beitrag, den Versicherungsschutz oder den Anspruch auf Heil- und Hilfsmittel auswirkt. Die Beitragshöhe einer GKV hängt ausschließlich vom Einkommen des Versicherten ab. In der GKV sind Ehepartner und Kinder ohne eigenes Einkommen beitragsfrei mitversichert.

Private Krankenversicherungen (PKV) müssen seit dem 01.01.2009 allen Personen einen Basistarif anbieten. Die Leistungen sind hierbei vergleichbar mit denen der GKV. Anders als in der GKV ist die Höhe des Beitrags jedoch abhängig von Faktoren wie dem Leistungsumfang und Eintrittsalter. Für Familienmitglieder, Kinder und Jugendliche eingeschlossen, müssen jedoch im Unterschied zur GKV gesonderte Beiträge gezahlt werden.

Gesetzliche Unfallversicherung

frau mit epilepsie umschließt mit den haenden einen kreis mit spielhütchen

In der gesetzlichen Unfallversicherung, die vom Arbeitgeber bezahlt wird, ist automatisch jeder Arbeitnehmer, ob mit oder ohne Epilepsie, versichert. Bei Arbeitsunfällen muss man jedoch etwas genauer prüfen, ob der Unfall in erster Linie durch die jeweilige berufliche Tätigkeit und nicht durch einen davon unabhängigen Anfall hervorgerufen wurde. Falls es zum Beispiel auf dem Arbeitsweg zu einem durch einen epileptischen Anfall verursachten Unfall kommt, besteht in der Regel keine Leistungspflicht, da eine ähnliche Verletzung auch zu Hause möglich gewesen wäre. Es handelt sich nur dann um einen Arbeitsunfall, wenn Art oder Ausmaß der zugezogenen Verletzungen am Arbeitsplatz anders sind als sie zuhause gewesen wären (z.B. Sturz in laufende Maschine).

Private Unfallversicherung

Menschen mit Epilepsie können eine private Unfallversicherung abschließen, wenn die Erkrankung nicht als schweres Nervenleiden gilt oder eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit besteht. Unfälle infolge eines Anfalls bleiben jedoch zumeist vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. 2013 hat sich das jedoch bei einigen Versicherungen wie der Versicherungskammer geändert.

Private Pflegeversicherung

Bei den staatlich geförderten Pflegeversicherungen („Pflege-Bahr“) sind die Versicherungsgesellschaften dazu verpflichtet, jedem Erwachsenen, der in der gesetzlichen Pflegeversicherung versichert ist und noch keine Pflegeleistungen bezogen hat, unabhängig von Vorerkrankungen einen Vertrag anzubieten. Wie bei der GKV sind Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse nicht zulässig.

Anders sieht es bei den privaten Pflegeergänzungsversicherungen aus: Sie fragen in der Regel nach Vorerkrankungen. Bei der (verpflichtenden) Angabe einer Epilepsie ist der Abschluss einer „normalen“ privaten Pflegeversicherung in der Regel nicht mehr möglich.

Berufsunfähigkeitsversicherung und Lebensversicherung

Viele junge Menschen und Menschen mit einer selbstständigen Tätigkeit erwägen, zur Absicherung und für den Ernstfall eine Berufsunfähigkeitsversicherung und Lebensversicherung abzuschließen. Vor Antragstellung sollten fundierte ärztliche Bestätigungen über die Prognose der Erkrankung eingeholt werden. Versicherungsfirmen lehnen jedoch in der Regel selbst anfallsfreie Antragsteller mit einer sehr guten ärztlichen Prognose aufgrund der Epilepsie ab. Es ist dringend davon abzuraten, eine bestehende Epilepsie zu verschweigen, da im Falle falscher Angaben die Zahlungsverpflichtung entfällt.